Jahresgruß 2015 von Zahra Hussain

Liebe Bamiyanfreunde,
das Jahr 2015 endet in wenigen Stunden. Deshalb ein kurzer Rückblick auf dieses Jahr und ein kurzer Ausblick auf das Jahr 2016.
Zuerst aber möchte ich mich bei allen Mitgliedern unseres kleinen Vereines für die Unterstützung unseres Anliegens, den Kindern in der Region Bamiyan Bildung zu ermöglichen, herzlich bedanken.
Besonders bedanken möchte ich mich für aufopferungsvolle Mitarbeit im vergangenen Jahr bei Herrn Joachim Zureich, Herrn Gerd Schindelmann, Herrn Hans Albert, Frau Marlene Trimbach und Frau Uschi Kriener, ohne die unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre.
Die größte Einzelspende erhielt unser Verein in diesem Jahr von der Grund- und Mittelschule in Eußenheim mit einem Betrag in Höhe 2.142,00 Euro. Dafür vielen Dank! Vielen Dank auch an die Schule Aschheim und Herrn Rudi Kleinhenz, die uns mit den von ihnen organisierten Spenden unterstützten und natürlich den vielen Einzelspendern, die uns mit kleineren und größeren Beträgen unterstützten. Auch die Gemeinde Oberpleicheld unterstützt unser Projekt langfristig mit einer jährlichen Spende in Höhe von 100,00 Euro.
Unserem Lehrer Ghjulam Sakhi, der wegen einer Kreberkrankung der Schilddrüse operiert werden musste, geht es inzwischen wieder gut und er unterrichtet wieder an unserer Schule. An dieser Stelle vielen Dank, auch im Namen von Herrn Sakhi, allen, die seine Behandlung mit einer Spende ermöglicht haben.
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass auch Herr Pfarrer Roland Breitenbach, der unseren Verein in der Vergangenheit sehr unterstützte sich nach seinem schweren Fahrradunfall auf dem Wege der Besserung befindet.
Eine Unterstützung durch die deutsche Bundeswehr war in diesem Jahr nicht zu erreichen und wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr nicht möglich sein, wie uns Herr Hauptmann Miller mitteilte, da die Hilfe der Bundeswehr zur Zeit in Deutschland in die Flüchtlingshilfe fließt.
Ich möchte Ihnen nun einen kurzen Überblick über die Aktivitäten des Vereins im vergangenen und einen Ausblick auf das kommende Jahr geben.
Wie Sie alle wissen, unterstützt unser Verein die von ihm erstellte Schule in Qula Quesch mit der Bezahlung zusätzlicher Lehrkräfte und einer Schulspeisung. Dies ist uns auch im Jahr 2015 gelungen.
Wegen der geplanten Erstellung einer Versorgung mit elektrischen Strom, sowohl unserer Schule als auch des Ortes Qula Quesch mittels Wasserkraft habe ich inzwischen Kontakte aufgenommen. Mit etwas Glück können wir dieses Projekt im Jahr 2016 in Angriff nehmen und evtl. sogar fertigstellen. Wegen einer Unterstützung dieses Projektes werden wir auch Kontakt mit der Aktion Sternstunden aufnehmen, die unser Projekt bereits einmal unterstützte.
Ich veranstaltete auch in diesem Jahr Lesungen aus meinem Buch „Das Erbe der Weisen“. Diese Veranstaltungen verband ich immer mit Werbung für unser Projekt und mir der Vorstellung unseres Vereines. Auch hierdurch bekam unser Verein viele Spenden.
Leider hat sich die Hoffnung auf eine wirtschaftliche, militärische, soziale und rechtliche Besserung der Situation in Afghanistan nach dem Ende der Ära Karzai nicht erfüllt. Vetternwirtschaft und Korruption prägen auch heute weite Teile Afghanistans und behindern eine positive Entwicklung.
In diesem Spätsommer gelang es den Taliban, die Stadt Kundus für einige Tage einzunehmen, bevor sie wieder vertrieben wurden. Hier einige Fakten, die bei uns nicht so bekannt sind.
Die Entsendung von Verstärkungen der afghanischen Armee in Kundus wurde von Aschraf Ghani untersagt, obwohl eine Offensive der Taliban und eine bevorstehender Angriff auf Kundus bekannt war. Die Truppen in Kundus waren kaum mit Treibstoff versorgt. Politische und militärische Verantwortliche hielten sich nicht in Kundus auf, als die Taliban kamen. Im Orient muss man sich mit vielen Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Aber die, dass der Fall von Kundus absichtlich herbeigeführt wurde, ist allzu plausibel.
Diese Inszenierung kostete recht vielen Menschen das Leben. Aber man konnte der westlichen Öffentlichkeit eindringlich vor Augen führen, dass die Stationierung der relativ wenigen ausländischen Soldaten, die auch noch möglichst 2017 abgezogen werden sollten, nicht ausreiche. Dieses Abzugskonzept ging letztlich auf Präsident Obamas ersten Wahlkampf zurück. Obama hatte damals versprochen, die Soldaten bis Ende 2014 nach Hause zu holen. Zum Entsetzen der Militärs wollte er dieses Wahlversprechen einhalten. Unter dem Eindruck der Folgen des ebenfalls im Wahlkampf versprochenen schnellen Abzugs aus dem Irak, wurde dann eine bescheidene Stationierung über 2014 hinaus beschlossen, der sich auch andere NATO-Staaten anschlossen. Um aus diesem viel zu engen Korsett herauszukommen, waren die Ereignisse in Kundus nötig und hilfreich.
Afghanistan führte, vom Ausland gedrängt, „Friedensgespräche“ mit den Taliban und Pakistan. Was sollten diese Gespräche bringen? Das pakistanische Militär meint Afghanistan zu seinem Satelliten machen zu müssen, um für eine Auseinandersetzung mit Indien eine bessere Ausgangsposition zu haben. Für das pakistanische Militär und seinen Geheimdienst ISI ist dieses Ziel alternativlos. Pakistanische Regierungen – ob gewählt oder vom Militär eingesetzt – haben in dieser Frage kein Mitspracherecht. Der Geheimdienst ISI besitzt den Staat Pakistan. Afghanistan meint er auch besitzen zu müssen. Solange Afghanistan von Pakistan unabhängig ist, arbeitet der ISI daran, Afghanistan zu destabilisieren. „Friedensgespräche“ zwischen Afghanistan und Pakistan sind, wie der Fall von Kundus, Veranstaltungen für die westliche Öffentlichkeit. „Frieden“ kommt im Westen gut an. In Afghanistan und Pakistan macht man sich über solche Verhandlungen keine Illusionen.
Dies kurze Abschweifung nur, um die Situation in Aghanistan besser zu verstehen.
Trotz allem, die Menschen in Afghanistan sehnen sich nach einer besseren Zukunft für Ihr Land und Ihre Kinder. Nicht Resignation sondern Hoffnung bestimmen ihr Dasein. Mit unserer Hilfe versuchen wir, diese Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen.
An der Situation in der Region Bamiyan hat sich nicht viel geändert. Es ist ruhig, Anschläge gab es bisher keine. Die wirtschaftliche Situation der Menschen ist nach wie vor sehr schlecht, was auch an den unsicheren Zufahrtswegen über Land liegt. Dies bedeutet, dass unsere Schule wahrscheinlich noch eine lange Zeit unsere Unterstützung benötigt, zumal die Gelder aus Kabul nur spärlich fließen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass durch die Krise im nahen Osten und durch die dadurch hervorgerufene Flüchtlingskatastrophe viele Spenden in diese Richtung gehen werden. Dadurch wird das Spendenaufkommen für unser Projekt möglicherweise im kommenden Jahr geringer ausfallen, als im vergangenen Jahr. Dem können wir nur durch eine verstärkte Aktivität entgegenwirken. Ich möchte Sie deswegen alle bitten, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir unseren Verein und unser Projekt in Zukunft noch besser in der Öffentlichkeit bekannt machen können. Wir sind für alle Ideen aufgeschlossen.
Ich wünsche Ihnen ein gutes, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2016.

Zahra Hussain
1. Vorsitzende

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