Lesung in Retzstadt – Betroffene Zuhörer

Artikel in der Main-Post
 

Angst ist fehl am Platz

Gebürtige Afghanin Zahra Hussain las aus ihrem viel beachteten Buch „Das Erbe der Weisen“.

Zu einer ganz besonderen Autorenlesung hatte anlässlich des „Welttages des Buches“ am 23. April die katholische öffentliche Bücherei in Retzstadt am Freitagabend eingeladen. Zahra Hussain las aus ihrem Buch „Das Erbe der Weisen – eine Kindheit in Afghanistan“, in dem sie ihre eigenen Erlebnisse und die anderer Kinder beschreibt. 1999 war Hussain mit ihren drei Kindern nach Deutschland geflohen

„Ich wollte unbedingt schreiben und lesen können“, sagte Zahra Hussain in Retzstadt. Aber ihr Vater habe es ihr verboten, sodass sie es heimlich machen musste. Nur ein kleines Heftchen konnte sie bei der Flucht aus ihrem Heimatland mitnehmen.

Unter den über 40 Besuchern in der Bücherei machte sich große Betroffenheit breit, als Zahra Hussain ihren schweren Weg vom kleinen Mädchen bis zur jungen Frau in Afghanistan darstellte. Hussain berichtete, wie sie unter Geboten und Verboten der Erwachsenen heranwuchs und gegen ihren eigenen Willen verheiratet wurde. Und sie erklärte, warum sie es irgendwann nicht mehr aushielt und aus Afghanistan floh. „Man darf keine Angst haben, wenn man für die Rechte der Frauen kämpfen will“, sagte sie.

Das Büchereiteam mit der „Doppelspitze“ Karin Gerhard und Anni Hebig hatte nicht nur ein passendes Getränk und Knabbereien aus Afghanistan angeboten, während der Pause wurden auch typisch afghanische Leckereien aufgefahren. Über die Leiterin der Bücherei in Oberpleichfeld, wo Zahra Hussain wohnt, kam der Kontakt mit Retzstadt zustande. „Wir haben Frau Hussain in Oberpleichfeld gehört und sie dann ganz spontan nach Retzstadt eingeladen“, erklärte Karin Gerhard. Alle Spenden an diesem Abend gehen an den Verein „Eine Schule für Bamiyan“. Dieser sammelt Spenden zum Bau und Betrieb einer Schule in dieser afghanischen Provinz

Peter Pillich